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Mein Blog für Lehrkräfte, Referendare und Eltern - Beitragsseite

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Deine Cindy Seidler von Better Teaching Resources

Freebies

Diversität im Unterrichtsmaterial - Warum gut gemeint nicht immer gut gemacht ist

Aktualisiert: 31. Jan. 2024



Diversität im Unterricht und in Menschen in ihrer Vielfalt auch in Unterrichtsmaterialien sichtbar machen – ein Plädoyer GEGEN reine Toleranz und für ECHTE Akzeptanz



Dieses Thema ist sehr vielschichtig und wird deshalb etwas umfangreicher. Die wichtigsten Abschnitte habe ich dir deshalb noch einmal in einer Blogübersicht aufgelistet:



Lehrmaterial als Spiegel gesellschaftlicher und politischer Normen und Stereotype


Die Welt unserer Schülerinnen und Schüler ist so vielfältig wie ein Abendessen in Sizilien. Ob Familie, Herkunft, Dialekt, persönliche Interessen und Charaktereigenschaften, körperliche und geistige Fähigkeiten oder Einschränkungen - wir haben oft einen herrlich bunten "insalata mista" in unseren Klassenzimmern.


Im Unterricht und in Lehrmaterialien wurde diese Tatsache lange Zeit fast vollständig ignoriert. Da werden leider immer noch oft die bekannten Stereotype bedient: Menschen hierzulande waren in vielen Lehrbüchern alle weiß, schlank und gesund. Familien bestanden typischerweise aus Mutter, Vater und zwei bis maximal drei Kindern. Der Vater hatte einen angesehenen Beruf, während die Mutter Hausfrau war oder vielleicht einem kleinen, unbedeutenden Nebenjob nachging. Und so weiter und so fort. Rollenbilder und Klischees entsprachen oft dem Ideal einer weißen, gutbürgerlichen Familie und bildeten nicht ansatzweise die Lebensrealität der Lerner ab.




In der Zwischenzeit hat sich viel getan - und das ist auch gut so! Denn seien wir mal ehrlich: wer soll sich von diesen einheitlichen Mustern angesprochen fühlen? Wenn wir mal so durch unsere Klassen blicken, werden wir vielleicht eine Hand voll Schüler finden, zu denen diese erzwungene Norm passt. Der große Rest blieb lange Zeit zumindest unterrepräsentiert, wenn er denn überhaupt vorkam. Wenn solche Lehrbücher auch seltener geworden sind - in vielen Unterrichtsmaterialien wird auch heute noch ein sehr einseitiges Bild der Welt gezeichnet.


Steckte dahinter eine böse Absicht? Gar offene Diskriminierung? Höchstwahrscheinlich nicht. Das Problem liegt viel tiefer: Menschen, die nicht der konstruierten Norm entsprechen, werden einfach nicht mitgedacht. Ungewollt vermitteln wir diesen Kindern durch ihre fehlende Sichtbarkeit, dass sie nicht normal sind. Und so wurden aber die meisten Lehrkräfte, die älter als 30 sind, nun mal sozialisiert. Alles was abweicht wird als „exotisch“, „ungewöhnlich“ oder gar „nicht normal“ wahrgenommen. Diese automatisierte Wahrnehmung zu entdecken und hinterfragen ist schon schwierig genug. Sie abzulegen scheint fast unmöglich, egal wie bemüht man ist. Zu tief ist dieses Denken in uns verwurzelt.


Der Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz


Wir wollen nun alle endlich raus aus der Ignoranzfalle. Und stolpern dabei allzu leicht in die nächste.


Es ist super, mit Kindern über Rassismus zu sprechen. Fantastisch, wenn man ihnen erklärt, dass ein Kind auch zwei Väter haben kann oder eben gar keinen. Toll, wenn sie erfahren, dass Alisha ein ganz normales Mädchen ist, auch wenn sie im Rollstuhl sitzt. Bewundernswert, wenn man seine Schüler darüber aufklärt, dass auch Frauen wichtige und anspruchsvolle Berufe ausüben können und ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.


Aber es bleibt immer noch Aufklärung. Ein Versuch, das bereits etablierte normierte Wertebild der Schüler ins Wanken zu bringen. Das ist natürlich wichtig, aber es ist nicht ausreichend. Denn angestrebt wird damit Toleranz und nicht Akzeptanz. Nicht falsch verstehen, Toleranz ist wichtig! Aber Akzeptanz ist praktisch Toleranz auf einem höheren Level. Es macht einen Unterschied, ob man die Besonderheiten (wohlgemerkt handelt es sich um Besonderheiten aus meiner normierten Perspektive) eines Menschen toleriert, also hinnimmt oder ob man diesen Menschen einfach akzeptiert und so nimmt wie er ist.



Wenn "gut gemeint" nach hinten los geht

Oder warum der Robert und der Franz doch nicht so normal waren wie wir...


Schon in meiner Kindheit wurde an den Schulen zu mehr "Toleranz" anderen gegenüber aufgefordert. Wie ich im Nachhinein sagen muss, teils sehr unbeholfen und oft auch kontraproduktiv. „Der Robert hat zwar eine andere Hauptfarbe, aber er ist auch ein ganz normaler Mensch!“, ist ein Paradebeispiel dafür. Was ist denn eine andere Hautfarbe? Darunter fällt alles, was sich jenseits des westeuropäischen Phänotyps befindet. Sehen wir uns mal auf der Welt um, stellen wir fest, dass (wenn man überhaupt von einer anderen Hautfarbe sprechen muss) wohl eher „weiß“ anders ist.


Ein weiteres Beispiel aus meiner eigenen Schulzeit. Info der Lehrerin: „Morgen kommt ein neuer Schüler zu uns. Der Franz hatte eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Das wurde jetzt noch mal operiert, aber sein Gesicht sieht immer noch ein bisschen komisch aus. Ich möchte nicht, dass ihr deshalb über ihn lacht.“ Könnt ihr euch vorstellen, was passiert ist? Klar waren wir neugierig. Klar wurde er beim Betreten des Klassenzimmers erst mal von allen angestarrt. Und die ersten Hänseleien und blöden Witze kamen prompt.


Die Lehrerin hatte es ja gut gemeint, legte aber schon vor seinem Erscheinen den Fokus auf seine „Anomalie“ und warnte uns davor, sich lustig zu machen. Wie bei Robert stellte sie seine "Besonderheit" in den Vordergrund und bot damit nicht mal die Chance auf ein unvoreingenommenes Kennenlernen. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht.



Vielfalt gehört ins Klassenzimmer. Aber ohne Ausrufezeichen und Etikett!


Ich bin mir sicher, dass gerade unter den jungen Lehrern heute eine viel sensiblere Herangehensweise an das Thema "Vielfalt / Diversion im Klassenzimmer" verbreitet ist. Das ist ein großer Fortschritt. Aber auch der richtige Zeitpunkt, einen Schritt weiter zu gehen.


Wie wäre es denn, wenn wir unsere Schüler gar nicht mehr zu Toleranz aufrufen müssten? Wenn jeder Mensch wahrlich so akzeptiert würde, wie er ist? Ohne den Fokus auf irgendwelche „Makel“ oder „Andersartigkeiten“ zu legen. Ohne ständig den roten Stift zu zücken und "Vorsicht!" auf das Etikett zu schreiben. Und dann vielleicht irgendwann ohne Etikett auszukommen.




Ein kleiner Exkurs: Warum Abgrenzung GUT ist


So wichtig es auch ist, sich gegen Diskriminierung und für Gleichstellung auszusprechen:


Abgrenzung und die Wahrnehmung des "Fremden" und des "Anderssein" ist aus entwicklungspsychologischer Sicht ein WICHTIGER Baustein in der Herausbildung der eigenen Persönlichkeit und Identität!


Um sich einer Familie, einer Gruppe oder auch einer Klasse zugehörig zu fühlen, um Teil einer Gemeinschaft zu werden und die in ihr etablierten Normen und Werte auch nach außen zu vertreten, braucht es ein starkes Gegenüber. Es braucht etwas, das anders ist als die Gruppe, in der wir uns gerade befinden.


Auch um sich selbst als Individuum wahrzunehmen ist es ein nicht per se schlechter, sondern eine für die seelische Entwicklung sogar gesunde Funktion, sich von anderen abzugrenzen. Wir erleben das in einer extremen Variante bei Teenagern: ob blaue Haare, Tattoos, selbst genähte Kleidung oder krass lärmende Musik - alles ist recht, um den Alten zu zeigen: Ich bin anders als ihr! Ich gehe meine eigenen Wege! Ihr könnt mir nicht mehr vorschreiben, was richtig und was falsch ist! Die Jugendbewegungen haben immer schon die besten Musikgenres hervorgebracht, neue Klamotten in den Kleiderschrank gezaubert und Revolutionen angeführt. Und das ist gut so! Denn wo käme denn der Fortschritt her, wenn nicht von denen, die sich trauen, anders zu denken, anders zu lieben, anders zu fühlen und zu handeln?


Halten wir an dieser Stelle kurz fest:

  • Abgrenzung anderen Menschen oder Gruppen gegenüber ist nicht per se schlecht!

  • Abgrenzung ist ein gesunder Baustein der Persönlichkeitsentwicklung

  • Abgrenzung ermöglicht Identifikation mit bestimmten Normen und Werten und ermöglicht tiefen Zusammenhalt in einer Gruppe


ABER: Abgrenzung, die zur Intoleranz gegenüber anderen führt oder dazu, dass andere Menschen oder Gruppen diskriminiert werden ist ohne Frage gefährlich und hat in einer modernen Gesellschaft wie im Unterricht nichts zu suchen!



Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


Wenn aus gut gemeint leider schlecht gemacht wird



Vorsicht ist jedoch geraten, wenn wir uns dazu verleiten lassen, bestimmte Gruppen nicht nur ganz natürlich in unseren Materialien einzubauen und dadurch sichtbar zu machen, sondern wenn wir ziemlich radikalen Strömungen aus der sogenannten "Identitätspolitik" auf den Leim gehen.


Auf den ersten Blick erscheint es ja als sehr erstrebenswert, Menschen einer bestimmten Gruppe mehr Teilhabe, Anerkennung und Einfluss in der Gesellschaft zu ermöglichen.


Aber wenn Menschen in immer neue Kategorien gesteckt und aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung in den Status einer Opferrolle gehoben werden - dann ist das ein sehr homogenes, fast unauflösliches Konstrukt. Da bleibt plötzlich weder Raum für Entwicklung noch für Annäherung und was viel schlimmer ist: kein Raum mehr für Diskussion. Denn die für das Thema brennenden Aktivisten erfinden immer schrägere neue Feindbilder, gegen die sie sich zur Wehr setzen können bzw. deren vermeintlichen Machtstatus sie stürzen müssen.


Und ist es nicht absurd, sich (zu Recht) gegen Rassismus wehren zu wollen und andererseits zutiefst rassistische Begriffe wie "alter, weißer Mann" zu prägen - die zu allem Übel auch noch eine Diskriminierung aufgrund des Alters und des Geschlechts enthält?


Meiner Ansicht nach kann es nicht das Ziel sein, immer neue und scheinbar unüberwindbare Gräben aufzutun. Oder noch schlimmer: kritische Diskurse im Keim zu ersticken und bereits das Hinterfragen als Zeichen für eine mittelalterliche Denkweise (oder noch schlimmer: rechtsradikale Ansicht) zu deuten.


Ein viel umstrittenes Beispiel aus der Praxis: Wer sich dazu entscheidet, lieber nicht mehr "Indianer" zu sagen, sondern in Lehrmaterialien und Kinderbüchern den Begriff Native Americans oder indigene Völker zu verwenden, hat alles Recht, das zu tun. Und mit Sicherheit gibt es triftige Beweggründe und einleuchtende Argumente für diesen Sprachwandel. Aber ich persönlich werde einen Teufel tun und diejenigen als "doof" oder "rechts" oder "hinterwäldlerisch" zu bezeichnen, die ihren Kindern ein Tipi im Garten bauen und sie Cowboy und Indianer spielen lassen.


Kinder sind keine Rassisten nur weil sie Rollen und Klischees ausprobieren. Sie befinden sich in einer Orientierungsphase im Leben, in denen Fantasie, spielerisches Entdecken und das unbefangene Kennenlernen im Vordergrund stehen. Und natürlich auch das Finden einer eigenen Identität. Dazu mehr im nächsten Punkt.



Mädchen und Jungs sind nicht gleich! Auch, wenn uns das der Woke - Mainstream weismachen möchte!


Eine Entwicklung, die mir in den letzten Jahren immer wieder so eigenartig aufstößt, ist dass immer mehr so getan wird, als ob Jungs und Mädchen gleich wären. Aus dem ursprünglich absolut richtigen Wunsch heraus dass jedes Kind dieselben Möglichkeiten bekommen muss, die in ihm angelegten Talente und Begabungen so gut es nur irgendwie geht zur Entfaltung zu bringen, wachsen aber Blüten, die lächerlicher nicht sein könnten. So werden Bücher angeprangert, in denen Mädchen sich als Prinzessinnen verkleiden oder Jungs mit Pfeil und Bogen spielen. NATÜRLICH ist Spielzeug für alle da. Und NATÜRLICH gibt es überhaupt nichts daran auszusetzen, wenn beispielsweise kleine Jungs gern rosa tragen oder Mädchen mit Autos spielen. Das kann aber nicht die Tatsache leugnen, dass Kinder in ihrer Entwicklung immer auch nach starken Vorbildern suchen.


Die Entwicklung einer gesunden Identifikation mit einer Rolle ist genauso wichtig wie die Abgrenzung des Individuums. Kurz gesagt: gleiche Chancen JA! Künstliche Gleichmacherei NEIN! Es sind nämlich nicht die natürlichen Unterschiede, die den Lebenslauf automatisch nachteilig beeinflussen, sondern der negative Umgang damit.


Natürlich sind Attribute wie Stärke, Willenskraft, Hilfsbereitschaft, Mut oder Durchhaltevermögen nicht ausschließlich weiblich oder männlich! Grundlegende Charkakterzüge sind in uns allen angelegt, die Frage ist nur in welcher Ausprägung sie vorkommen.


Kurzum: in Lehrmaterialien und Büchern sollte es nicht darum gehen, bestimmte Eigenschaften von Jungen und Mädchen besonders hervorzuheben. Aber eben auch nicht darum, sie als schlecht darzustellen.



Anerkennung und Akzeptanz statt neuer Gräben


Eine starke Klassengemeinschaft und die Bildung junger Menschen zu aufgeschlossenen, weltoffenen Persönlichkeiten - das ist einer der Hauptaufträge moderner pädagogischer Arbeit.


Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche sich mit all ihren Stärken und Schwächen, mit all ihren Besonderheiten und Unterschieden dennoch zugehörig fühlen und einen sicheren Raum haben, in dem sie sich ausprobieren und finden können. Deshalb nützt es eben nichts, wenn man ständig nur die Unterschiede betont und andauernd die Dinge benennt, die uns trennen.


Menschen in ihrer Verschiedenheit als natürlichen Bestandteil in der Klassengemeinschaft UND in Lehrmitteln zu repräsentieren und zu akzeptieren ist der erste Schritt. Es wird immer Unterschiede geben. Egal ob Körperbau, Hautfarbe, Vorlieben und Charakter - Menschen sind immer schon vielfältig gewesen und wenn man noch länger sucht, findet man tausend weitere Unterschiede.


Aber was meiner Ansicht nach gar nicht geht ist, wenn man immer und immer wieder hervorhebt, wie besonders und anders eine bestimmte "Randgruppe" ist. Denn dadurch stellt man sie ja erst an den Rand! Man zeigt auf sie und redet über sie. Aber in der Mitte kommen sie dadurch nie an! In der Mitte kommen immer nur die an, mit denen man Gemeinsamkeiten findet. Deren Lebenswelt man nachvollziehen und respektieren kann. Wo eben aus Toleranz, also "Ertragen" echte Akzeptanz wird - also "Integrieren".


Anerkennung bedeutet NICHT: "alles gleich machen".

Anerkennung bedeutet: Du darfst so sein wie du bist. Mit all deinen Facetten. Und ich darf auch anders sein. Aber schauen wir lieber mal, was uns verbindet!




Wie ECHTE Akzeptanz gelingen kann und wie gute Unterrichtsmaterialien dabei helfen


Wir können wir uns auf den Weg zur echten Akzeptanz machen? Der Schlüssel dazu ist recht einfach: Sichtbarkeit im Unterricht und in Unterrichtsmaterialien!


Bilder prägen uns. Täglich und immer wieder aufs Neue. Dazu gehören nicht nur die Bilder, die wir im Fernsehen (oder heute eher auf Netflix und Co.) und in der Zeitung sehen, sondern vor allem auch Bilder in unserem Unterrichtsmaterial. Dinge, die wir häufig sehen, prägen unsere Vorstellung von der Welt. Und dann nehmen wir schnell alles andere, das nicht ins Klischee passt, als fremd wahr.




Diversität im Unterrichtsmaterial - darauf solltest du bei der Erstellung achten:


Ich habe hier einige Tipps zusammengetragen, die ich bei der Erstellung meiner Unterrichtsmaterialien von der Grundschule bis zur Sekundarstufe immer beachte. Dabei ist es unerheblich, für welches Fach man Spiele und Arbeitsblätter oder digitale Inhalte erstellt.


Es sind ganz allgemeine Empfehlungen, die auch dein Material vielfältiger machen können - ohne dabei den Bogen zu überspannen und ein von Identitätspolitik und anderen radikalen Trends durchsetzes Werk zu schaffen, das mehr Trennung als Verbindung schafft:



1. Erstelle oder kaufe gezielt Unterrichtsmaterial, das divers gestaltet ist


Bilde dabei gezielt auch (wohlgemerkt nicht nur) Menschen ab, die nicht der aktuell gängigen "Norm" entsprechen. Für die Gestaltung deiner Unterrichtsmaterialien bieten sich dazu Cliparts und Bilder an, bei denen Wert auf Diversität gelegt wurde.


Es gibt mittlerweile einige Illustratoren, die eine wunderbare Vielfalt anbieten. Besonders hervorheben möchte ich davon Kate Hadefield (Kate Hadfield Designs) und „Janina malt die Welt“. Auch meine Kollegin Jenny Scheubner von I_love_DAZ hat eine tolle Sammlung von Cliparts veröffentlicht, die man sich einfach kostenlos bei eduki runterladen kann: Cliparts Menschen aus aller Welt


Einige Empfehlungen zu Büchern, die divers gestaltet sind, findest du hier am am Ende des Blogbeitrages.



2. Baue Geschichten, Biografien und Erlebnisse unterschiedlicher Menschen in deine Unterrichtsmaterialien ein


Und zwar OHNE deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zu betonen. Richte den Blick lieber auf deren individuelle Errungenschaften oder Eigenschaften. Wichtig sind aber vor allem auch Geschichten, in denen die Protagonisten einfach ganz normale Menschen aus dem Alltag sind. Betont man diesen Fakt oder benennt ihn auch nur, obwohl es für die Geschichte gar nicht notwendig gewesen wäre, manifestiert sich sonst nur wieder das Bild der Fremdheit / der Andersartigkeit.


Ein Beispiel aus meinen Unterrichtsmaterialien bei eduki:


Materialpaket berühmte Persönlichkeiten Unterrichtsmaterial bei eduki

In meinem Materialpaket "Berühmte Persönlichkeiten" habe ich den Fokus auf die Bekanntheit der Person bzw. deren Bedeutung in der Weltgeschichte gelegt.


Unabhängig von Geschlecht und Hautfarbe liegt der Fokus einzig und allein auf der individuellen Leistung oder der geschichtlichen Bedeutung. In dem Bundle finden sich Arbeitsblätter zu (unter anderem) Greta Thunberg, Hellen Keller, Martin Luther King, Mutter Teresa, dem Dalai Lama oder Barak Obama. Die Lehrkraft kann dann - je nach Ziel der Unterrichtseinheit und je nach Wissensstand der Lerner entscheiden, welche Arbeitsblätter verwendet werden.


Warum es bei mir KEIN gruppenspezifisches Material gibt:


Obwohl es in Amerika ein großer Trend ist, bestimmte Gruppen im Unterrichtsmaterial in den Fokus zu rücken und beispielsweise einen "Black History Month" oder einen "National Hispanic American Heritage Month" zu begehen, sehe ich diese Unterteilung in gesellschaftliche Gruppen als schwierig an. Genau wie eine Frau nicht nur deshalb eine hochrangige Position in der Politik bekommen sollte nur weil sie eine Frau ist - genauso finde ich es schwierig, wenn man Menschen NUR aufgrund ihrer Hautfarbe in den Fokus nimmt. Das ist Diskriminierung - nur eben andersrum! Auch hier wieder: Gut gemeint, aber im Kern schlecht gemacht.



3. Klassische Rollenbilder und moderne Rollenbilder - sie gehören BEIDE ins Lehrmaterial!


Und das ist leichter gesagt als getan. Denn ja: auch wenn sie nicht bei Instagram tanzt: es gibt sie noch, diese "klassische Hausfrau", die dem Mann das Essen kocht und ihm abends die Pantoffeln anzieht. Es gibt ihn noch, den Fussballerfreund, der abends in der Gartensparte sitzt und beim Bier über Autos redet. Das sind im engsten und oberflächlichsten Sinne Stereotype. Vielleicht sind diese Lebensentwürfe nicht für jeden erstrebenswert. Aber es gibt sie nun mal. Und sie gehören genauso ins Lehrmaterial wie neuere Modelle:


- die alleinerziehende Mutti, die mit dem Wohnmobil um die Welt reist und als digitale Nomadin ihr Geld verdient


- das Ehepaar, das bewusst keine Kinder möchte und trotzdem ein erfülltes Leben führt.


- die rüstige Rentnerin, die ehrenamtlich bei der Tafel arbeitet und am Wochenende mit ihrer Harley Davidson zum Rockkonzert fährt


- der junge gehörlose Mann, der mit seinem Partner um die Welt reist und auch in China prima mit Gebärdensprache zurecht kommt


- und und und


Du siehst schon, worauf ich hinaus will: Menschen sind (Gott sei Dank) vielfältig und bunt. Und nur weil Soziologen und Psychologen Menschen in Kategorien und Mileus packen, um ihre Einstellungen und Lebenswege zu erforschen, müssen wir als Lehrkräfte das im Unterrichtsmaterial noch lange nicht tun!




4. Stelle Menschen grundsätzlich als INDIVIDUEN dar


Natürlich gibt es Merkmale von Menschen, die aus soziologischer Sicht auch auch auf Gruppen zutreffen. Dort kann man feststellen, dass Mitglieder marginalisierter Gruppen häufig ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Aber eben nicht zwangsläufig!


Ob dem so ist oder nicht, darüber müssen wir nicht nachdenken. Haben wir ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Schülern, ist es gut möglich, dass sie selbst mal Etwas in die Richtung ansprechen. Dann kann und soll auf jeden Fall darauf eingegangen werden. Auf keinen Fall dürfen aber Kinder (vor allem ohne Kontext) dazu befragt oder auch als Beispiel genannt werden. Sie stehen nicht repräsentativ für eine Gruppe, sondern in erster Linie für sich selbst!



5. Deine Unterrichtsmaterialien können nicht zaubern. Und es nie allen recht machen!


So sehr du dich bemühst - und das trifft auf alle Lebensbereiche zu: Du kannst es nicht jedem recht machen! Du kannst dich noch so sehr bemühen, "alles richtig" zu machen, zum Beispiel möglichst inklusiv zu sprechen und zu handeln und wirklich niemandem auf den Schlips zu treten . Es wird dir nicht gelingen.


Leider sind bei vielen aktuellen gesellschaftlichen Themen die Fronten sehr weit auseinander und scheinen verhärtet. Es ist vollkommen egal, welche politische oder weltanschauliche Einstellung wir haben - wir werden IMMER auf jemanden treffen, der Kritik daran übt. Und das müssen wir nun mal aushalten. Das nennt sich Demokrate.


So weit wir unsere Ansichten und Wertvorstellungen auch auseinanderliegen: wir dürfen nie aufhören, miteinander zu reden. Erst dann wird es gefährlich. Es ist vielleicht ein bisschen so wie in einer Ehe: solange man sich streitet, solange ist man im Gespräch. Erst, wenn sich einer zurückzieht und "dicht" macht, entfremdet man sich.



Empfehlungen für die Lehrpraxis bzw. den Alltag in der Schule:


1. Reflektiere deinen Blick auf dein Umfeld und deine Schülerinnen und Schüler


Mache dir Gedanken über Stereotype, die sich in dir manifestiert haben. Überlege in welchem Kontext du diese reproduzierst und versuche es zukünftig zu vermeiden, denn auch Sprache und Handlung vermitteln Bilder und das oft besonders einprägend. Dabei geht es jetzt nicht mal automatisch um die großen Dinge wie offenen Rassismus.


- Braucht das Kind mit der halbseitigen Lähmung wirklich Hilfe dabei, sich die Schuhe zu binden? Oder gehst du einfach automatisch davon aus? Eilst du ihm unnötigerweise zur Hilfe, verfestigt sich in deinen Schülern das Bild des hilflosen „Behinderten“.


- Bedauerst du ein Kind, das ohne Vater aufwächst? Dieses Kind kann super glücklich in seiner Familie sein und dein Mitleid gar nicht nötig haben!


- Svetlana ist schlecht in Deutsch, weil ihre Eltern zu Hause nur Russisch mit ihr sprechen? Ein Vorurteil, dass sich übrigens trotz eindeutiger wissenschaftlicher Gegenbeweise wacker hält. So werden in Deutschland geborene und sozialisierte Kinder zum Beispiel auffallend häufig in DaZ- oder Deutschförderstunden gesteckt. Ohne dass es Defizite gibt, einfach nur sicherheitshalber. Auch das ist sicher gut gemeint, drückt dem Kind, das sich höchstwahrscheinlich aber als Deutsch identifiziert, den „Ausländer-Stempel“ auf.



2. Versuche jede Form von Instrumentalisierung zu vermeiden.


Damit meine ich solche typischen Geschichten vom „schwulen besten Freund“ und überhaupt das Bedienen von Stereotypen. Aber auch das Bedienen positiver Klischees. Zum Beispiel: die besonders schlauen und fleißigen Asiaten, die kulinarisch überlegenen Franzosen, die feurigen Brasilianer.



3. Sei nicht zu hart zu dir selbst und bleib locker!


Egal wer du bist und welche Erfahrungen du im Leben gemacht hast - deine ganz persönliche Lebenswelt, dein Umfeld, deine Geschichte und deine Wertvorstellungen unterscheiden sich mit Sicherheit grundlegend von der Realität anderer Menschen.


Meinungen und Werte ändern sich, Menschen sind verschieden und entwicklen sich. Was du noch vor zehn Jahren als wichtig oder unabänderlich angesehen hast, kann heute schon ganz anders sein.


Ich zum Beispiel habe zehn Jahre lang in einem Leipzig gewohnt und habe es geliebt, dieses quirlige Leben voller kultureller Angebote und Möglichkeiten. Ich war ständig unterwegs und gab mein Geld vor allem für Konsum und Freizeit aus. Heute lebe ich auf einem kleinen Nest weit fern der großen Stadt und liebe die Freiheit auf dem Land. Das Grün, meine Hühner, das einfache Leben ohne Stress und Straßenbahn. Aber wer weiß - vielleicht ziehe ich im Alter wieder in die Stadt, wo die Infrastruktur besser ist und der Bioladen um die Ecke? Ich weiß es nicht. Und ich möchte mich deshalb auch ungern in ein bestimmtes Rollenbild reinrutschen lassen. Ja. Im Moment bin ich ein Landei. Aber ist das alles was mich ausmacht oder gibt es da nicht viel mehr Facetten meiner Persönlichkeit die sich ständig ändern können?


Genau wie ich mein eigenes Leben gern so flexibel wie möglich gestalte und nicht festgefahren sein möchte, genauso betrachte ich auch die Menschen um mich herum. Obwohl ich selbst nie die AFD wählen würde, so bleibe ich dennoch im Gespräch offen und diskussionsbereit, wenn ich auf deren Wähler treffe. In meinem Freundeskreis

gibt es verschiedenste Leute, deren politische Ansichten sich von ganz links außen bis ganz rechts bewegen.


Man macht es sich zu leicht, sich von Menschen abzuwenden, die nicht der eigenen Gesinnung entsprechen. Und es wird uns ja ständig in den sozialen Medien von der neuen woke - Bewegung suggeriert: da wird empfohlen, auf sein Umfeld zu pfeifen und sich nur noch mit denen zu umgeben, die einem passen. Da werden männliche Eigenschaften pauschal als "toxisch" bezeichnet oder ganz unreflektiert werden kritische Stimmen in bestimmte politische Lager eingeordnet. Und dann ist die Diskussion beendet. Solche Trends führen nur zur Spaltung der Gesellschaft und bewirken genau das Gegenteil von dem, was wir anstreben sollten: miteinander im Gespräch bleiben, offen bleiben. Und vielleicht auch mal mit Humor auf eine verrückte Welt schauen, in der keiner die Weisheit mit Löffeln gefressen hat.



 

Buchtipps zum Thema Vielfalt, Inklusion und Rassismus


Kinderbücher über Vielfalt:



Verlag: Klett Kinderbuch

Altersempfehlung: Vorschule und Grundschule


Mit erfrischender Leichtigkeit und Humor zeigt dieses Kinderbuch unsere bunte Gesellschaft mit Menschen verschiedener Herkunft, Berufen, Sprachen und Besonderheiten. Und es verschweigt auch nicht, dass es manchmal kompliziert werden kann...



von Katharina Platz


Ein inspirierendes Kinderbuch über Diversität, Freundschaft und gegen Rassismus. Ohne erhobenen Zeigefindger und mit dem Fokus auf das, was uns verbindet - ohne Gleichwischerei, aber auch ohne künstliche Trennung!





Verlag: Carlsen

Altersempfehlung: Vorschule (2 bis 5 Jahre)


Ein kluges Kinderbuch, das zeigt, dass wir alle unterschiedlich sind. Hier liegt aber der Fokus eben NICHT auf festgefahrenen Stereotypen sondern auf dem, was uns verbindet! Hautfarbe oder Herkunft werden benannt, aber der Blick liegt auf ganz anderen Dingen, die auch Gemeinsamkeiten sein können: zum Beispiel das Lieblingsessen, die Frisur oder die Körpergröße. Wunderbar!



Kinderbücher, die unterschiedliche Familienkonstellationen zeigen:

Verlag: Ars Edition

Altersempfehlung: Kinder ab 4 Jahre


Ein buntes Bilderbuch mit einer leicht lesbaren Geschichte über verschiedene Familienkonstellationen, Diversität und Vielfalt.





Kinderbücher, die Vielfalt ganz natürlich abbilden ohne sie in den Vordergrund zu stellen:



Verlag: Ufer Verlag

Altersempfehlung: 3 - 9 Jahre


Eine Entdeckungsreise in die verrückte Welt der Gefühle und wie man damit umgehen lann. Ohne Wertung und mit Abbildungen verschiedener Kinder - ohne das zu thematisieren.



Verlag: Mentor Verlag

Altersempfehlung: 6 bis 8 Jahre


Eine wunderschöne, warmherzige Weihnachtsgeschichte von Francesca Cavallo, der Autorin der beliebten "Good Night Stories for Rebel Girls*"

Hier gefällt mir besonders gut, dass weder die Homosexualität der Eltern noch die Hautfarbe der Familienmitglieder explizit thematisiert wird, sondern einfach als gegeben beschrieben wird.


*Wenn du magst, kannst du die empfohlenen Bücher gern über meinen Amazonlink bestellen. Dafür bekomme ich eine kleine Provision. Für dich entstehen keine weiteren Kosten und kaufen musst du natürlich nichts, sondern kannst auch einfach nur gucken!


 

Literaturempfehlungen zur weiteren Beschäftigung mit Rassismus und Identität:


Disclaimer:


Ich empfehle hier nur Bücher bei denen ich überzeugt bin, dass guter Journalismus, wissenschaftlich fundierte Ausführungen und reflektierte Haltungen dahinter stecken.


Anders als viele Aktivistinnen und Aktivisten, die eine extreme Identitätspolitik verfolgen, teile ich beispielsweise nicht die Ansicht, dass weiße Menschen per se privilegiert sind ("White Privilege"). Da wären wir nämlich wieder bei einer Einteilung von Menschen in festgefahrene Gruppen und Stereoptype- und das ist auch meiner Sicht kontraproduktiv in der Debatte um echte Gleichstellung. An dieser Stelle kann ich den Vortrag von Katja Gentinetta empfehlen, in dem sie sich kritisch mit der Frage auseinandersetzt, ob der Begriff des "strukturellen Rassismus" unreflektiert übernommen werden kann.


Sieh es mir an dieser Stelle also bitte nach, dass ich hier nur eine kleine Auswahl der Literatur empfehle, die ich auch wirklich gelesen habe und persönlich empfehlen kann. Das sind auch Bücher, die mich zum Nachdenken gebracht haben oder bei denen ich nicht in jedem Punkt einverstanden bin. Aber es sind immer solche, deren Sichtweise auf die Thematik Rassismus weder extrem links noch extrem rechts angesiedelt sind.


Meine Bücher müssen nicht deine Bücher sein und meine Haltung nicht deine. Also lass dich gern inspirieren, aber bleib offen und bilde dir deine eigene Meinung!


Liebe Grüßen deine Cindy


Verlag: Carl-Auer-Verlag


Der Versuch zu ergründen, warum die Gesellschaft sich immer mehr spaltet - in die, die nicht genug davon bekommen können, immer neue moralische Grenzen und Empfindlichkeiten aufzumachen und die, die das Gefühl haben, dass sie da langsam nicht mehr mitkommen.


Ruhig und nüchtern geschrieben, kritisch und doch versöhnlich.



Verlag: dtv

Autor: Hamed Abdel-Samad


Klappentext: "...Hamed Abdel-Samad hat Rassismus erlebt: In Ägypten wurde er als hellhäutiger Kreuzritterbastard denunziert, in Deutschland ist seine Haut manchen zu dunkel, sein Name anderen zu muslimisch.


Dieses erfahrungssatte Buch ist kein Bericht der Betroffenheit. Es ist die Analyse eines durch Globalisierung, Migration und Vorfälle in den USA auch hierzulande angeheizten Themas. Die Radikalität der Debatte, die in Deutschland weit über das Thema Rassismus hinaus Fragen von Identität, Zugehörigkeit, Rederecht und Redeverbot behandelt, droht die Gesellschaft tief zu spalten. Abdel-Samad sucht die Auseinandersetzung zu rationalisieren und zeigt im Individualismus einen Ausweg aus der zwanghaft identitätsfixierten Zugehörigkeitsdebatte."



In diesem Video spricht er darüber, warum wir den Opfern von Rassismus nicht helfen, wenn wir immer neue Grenzen im Zusammenleben und der Debatte schaffen.

 

Ich hoffe, mein Blogbeitrag hat dir gefallen und du hast ein paar Gedankenanstöße mitnehmen können. Auch wenn ich das Thema Diversität in Unterrichtmaterialien unmöglich zu Ende ausdiskutieren kann, so hoffe ich doch, dass ich dir einige Anregungen und wertvolle Tipps für Materialien und Bücher geben konnte.


Wenn Du Fragen oder Anregungen zum Thema hast, dann schreib mir doch gern persönlich oder hinterlasse einen Kommentar!


Liebe Grüße,


deine Cindy







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